Frühling
Ich kann es fühlen. Ich kann es sehen. Ich kann es riechen. Frühling.
Deine Augenbrauen wandern fragend in die Höhe. Im Februar?
Spürst du es denn nicht? Die ersten warmen Sonnenstrahlen. Wie sie über deine dunkelblonden Haare streicheln. Wie sie deine mit Sommersprossen gesprenkelten Wangen liebkosen. Wie sie deine weichen Lippen küssen. Und schmutzige Schnee- und Eisreste zum Schmelzen bringen.
Das Eis auf dem See und an den Gehwegrändern. Das Eis auf dem dunkelroten Dach von gegenüber. Das Eis in deinem Herzen.
Kannst du es fühlen? Es wird wärmer. Der Frühling kommt.
Siehst du die Farben? Fröhliche Farben. Schöne Farben. Warme Farben. Sie lachen. Und du lachst mit ihnen.
Riechst du es? Dieser betörende Duft. Herb. Männlich. Verführerisch.
Ich vergrabe meine Nase ganz tief in deiner Halsgrube und atme so tief ein, bis mir schwindelig wird. Jetzt bist du weg, aber der Duft ist noch da. Er hat sich in meinem Pullover festgesetzt. In meinen Haaren. In meinem Kopfkissen. Und ich genieße ihn, solange ich kann. Denn morgen wird mir nur die Erinnerung bleiben. Und die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.