Romantik pur – oder doch nur ein Haufen Mist?

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

http://us.cdn4.123rf.com/168nwm/tinica/tinica1304/tinica130400046/19186214-romantisches-paar-vor-big-ben-in-london-haben-ein-abendessen-silhouette-eine-in-der-reihe-von-a-hnli.jpgWir Frauen kennen sie alle - und wir lieben sie: „E-Mail für dich“, „Schlaflos in Seattle“, „Notting Hill“ und „Wie ein einziger Tag“. Die ganze Herzschmerz-Internationale. Das hat natürlich Standards gesetzt. Wir erwarten von unserem Liebsten nichts weniger als tägliche Emotionsgewitter und regelmäßige Gefühlspurzelbäume. Wir wollen das volle Programm: romantische Dinners bei Kerzenschein, Champagner, ein Strauß mit Tausend roten Rosen, Diamanten, Liebesbriefe und hinreißende Liebeserklärungen, vorgetragen auf der Spitze des Eifelturms in Paris oder wenigstens in einer venezianischen Gondel. Stattdessen gibt es einen kitschigen Blumenstrauß von der Tankstelle, Campingurlaub im Schwarzwald und das Einzige, was unseren Partner am Sonnenuntergang interessiert, ist, dass die Sonne rechtzeitig vor dem Anpfiff hinterm Horizont verschwindet.

 

Der Gipfel der Romantik, das ist für einen Mann ein Sixpack, „ran“ und fünf Tore gegen Bayern München. Wen wundert’s da, dass sich die meisten Frauen spätestens nach zwei gemeinsamen Jahren beziehungstechnisch unterzuckert fühlen. Männer bringen dem, was wir unter Romantik verstehen, ungefähr genauso viel Verständnis entgegen wie dem 50. Paar Schuhe, das wir ganz dringend benötigen.

 

Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann müssen wir zugeben: Sie haben ja Recht. Denn eigentlich kommt es doch auf ganz andere Dinge an, als das teure Dinner im Nobelrestaurant oder das exklusive Romantikwochenende auf den Malediven. Nicht das Streben nach den Sternen, nicht der Himmel, den einem einer zu Füßen legt, sind der Motor der Liebe. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die zeigen: Da denkt einer an mich. Hat Sehnsucht nach mir. Schätzt meine Gesellschaft. Was bedeuten schon Rosen, Pferdekutschen oder Einkaräter? Was eine Liebe spektakulär macht, das sind doch gerade die vielen unspektakulären Kleinigkeiten: Dass er ihr beim Frühstück die obere Hälfte des Brötchens überlässt, weil er weiß, dass sie die am liebsten mag. Dass sie ihm den Sportteil in der Zeitung zur Seite legt. Dass er sie um Rat fragt, wenn es um die Wahl der Krawatte für das Geschäftsessen geht. Dass sie sich auf der Party wortlos mit Blicken und Gesten verständigen, wann es Zeit ist, zu gehen. Es sind diese Banalitäten, die sagen: Wir lieben uns.

 

Nicht die großen Momente á la Hollywood führen zu mehr Zweisamkeit. Sich auf hundert kleine Arten im Alltag einander zuzuwenden - das ist es, worauf es ankommt. Das verbindet. Alles andere ist Süßstoff, Kitsch und Klischee.

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