Aus zwei mach eins: Hex, hex!
Situation 1: Schwan vs. Erdmännchen
Du bist 14 Jahre alt und musst dich im Rahmen des anstehenden Abschlussballs für einen Tanzpartner entscheiden. Zwei Jungs haben dich gefragt, beide findest du ganz nett. Nimmst du Kandidat A, mit dem vollen dunklen Haar und dem strahlenden Lächeln, der über die Tanzfläche gleitet wie ein Schwan? Oder entscheidest du dich für Kandidat B: Dünn, Brille, schiefes Grinsen und genauso wenig Ahnung von Wiener Walzer und Discofox wie du – der dich stets zum Lachen bringt, mit dem du über Gott und die Welt reden kannst und mit dem es einfach Spaß macht, sich über den Tanzlehrer lustig zu machen.
Situation 2: Partyhengst vs. Gentleman
Für den einen ist das Leben eine Non-stop-Party. Er steht auf allen Gästelisten, kennt jeden Türsteher der Stadt und ist jede Nacht auf einer anderen Party. Das Reizvolle? Der Typ weiß, was er will. Und er zögert nicht, es sich zu nehmen. Außerdem: Er hat Ahnung von dem, was er tut und ist ein unwiderstehlich guter Küsser. Warum ihm aber die Damen tatsächlich verfallen, ist Folgendes: Mit den leisesten Anmerkungen gibt er zu verstehen, dass hinter seiner harten Schale ein weicher Kern steckt. Und was gibt es Reizvolleres für eine Frau, als so einen Mann auszupacken?
Der andere dagegen ist der wahr gewordene Prinz auf seinem weißen Ross. Er trägt Frau auf Händen, schenkt ihr Rosen, schreibt ihr Liebesbriefe und liest ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Wenn er sie küsst, ist sein Kuss voller Liebe und Zärtlichkeit. Er ist höflich, zuvorkommend und hat gute Manieren. Seine Komplimente sind ehrlich und seine Worte stets mit Bedacht gewählt. Das einzige Problem: Er hat dich so gern, dass er dich auf keinen Fall teilen will und rasend eifersüchtig reagiert, sobald sich ein anderes männliches Wesen in deine Nähe wagt. Willst du diesen Traummann behalten, dann sag adé zu deinem männlichen Freundeskreis.
Situation 3: Attraktiver Charmeur vs. bester Freund
Ersterer hat Frau bereits bei der ersten Begegnung mit dem kecken Lächeln um den Finger gewickelt. Er ist witzig und charmant und nutzt beides hemmungslos aus. Er weiß, wie er dich verführt. Jede seiner Berührungen jagt Stromschläge durch deinen Körper und wenn du es nicht besser wüsstest, würdest du dich ihm mit Leib und Seele hingeben. Aber Vorsicht: Sex ist für ihn nur eine Möglichkeit, seine Triebe auszuleben. Wahre Liebe gibt es seiner Meinung nach nicht.
Nummer zwei ist dein bester Freund. Ihr versteht euch prima, du fühlst dich pudelwohl in seiner Gegenwart und kannst ihm alles anvertrauen. Wenn du mit ihm zusammen bist, hast du das Gefühl, endlich einmal loslassen zu können, dich ganz fallen zu lassen – denn er ist da, um dich aufzufangen. Ihr teilt Interessen und Werte und auch nach Stunden des Quatschens gehen euch die Gesprächsthemen nicht aus. Was aber das Wichtigste ist: Dein bester Freund bringt dich zum Lachen und schenkt auch einem noch so miesen Arbeitstag ein Happy End. Er wäre der perfekte Mann – doch von sexueller Anziehung keine Spur.
Eine ganz schöne Pattsituation, nicht wahr? Für wen soll Frau sich entscheiden? Wer ist der Richtige?
Eine sehr gute Freundin von mir hat letztens vorgeschlagen, Typ A und Typ B einfach miteinander zu verschmelzen. So hätten wir in Situation 1 zum Beispiel den witzigen, unglaublich sympathischen Tanzpartner, der noch dazu gut aussieht und sich mit Bravour auf der Tanzfläche bewegt. In Situation 2 hätten wir den wilden Partyhengst, hinter dessen harter Schale sich der wahre Gentleman verbirgt, der seine Freundin auf Händen trägt. Und in Situation 3 hätten wir den besten Freund, in dessen Gegenwart du dich so unglaublich wohl fühlst und der Blitze durch deinen Körper schickt, wenn er mit seiner Hand deine Wange streichelt.
Bei all diesen Überlegungen übersehen wir aber eines: Wir gehen immer davon aus, dass es ganz einfach sei, zu lieben – wir müssen nur den richtigen Partner finden, den wir selbst lieben können und von dem wir geliebt werden. Tatsächlich aber ist es so, dass es bei dem Problem der Liebe nicht um ein Objekt, sondern um die Fähigkeit zu lieben geht. Und diese Fähigkeit, die Kunst zu lieben, wie es Erich Fromm 1956 so passend formuliert hat, die gilt es zu erlernen.