Blind Date
Das Problem mit Blind Dates ist nicht etwa, dass der Typ hässlich wie die Nacht ist. Er hat weder eine schiefe Nase, noch Schweinsaugen oder eine zu große Zahnlücke. Auch entspricht der typische Blind Date-Typ nicht dem Bild des lichtscheuen und fern von der Sozialität lebenden Nerds mit fettigen Haaren, unvorteilhafter Kleidung und zwei Ziegelsteingroßen Brillengläsern. Vielmehr ist der Blind Date-Typ ein ganz normaler Mann. Er sieht durchschnittlich aus, ist durchschnittlich lustig und durchschnittlich interessant. Vielleicht ist er ein wenig zu sehr von sich selbst überzeugt – was in Anbetracht der Tatsache, dass sich das Fräulein nicht bewusst für ihn entschieden hat, schließlich ist es ja ein Blind Date – durchaus ein Stirnrunzeln rechtfertigt.
Das Problem mit Blind Dates ist vielmehr, dass man eventuell auf eine Person trifft, von der man bereits nach zehn Minuten weiß, dass es keinen Sinn macht. Tatsächlich sind nicht mal zehn Minuten dafür notwendig. Der erste Eindruck zählt. Und für den braucht das menschliche Gehirn nicht länger als eine Zehntelsekunde.
Unabhängig davon, ob die Person „ganz nett“ ist und ob der Abend den ein oder anderen Lacher bringt – wenn das Interesse fehlt, dann macht ein zweites Treffen keinen Sinn.
Aber was tut man, wenn man bereits nach zehn Minuten weiß, dass da nicht „mehr“ kommen wird? Sollte man dann noch versuchen, den anderen kennen zu lernen und einen schönen Abend zu verbringen? Oder sollte man sich die vergebene Mühe lieber sparen, Nägel mit Köpfen machen und dem Typen direkt erklären, dass das so nichts wird?
Rational gesehen scheint es angebracht, das Blind Date bei Nicht-Interesse abzubrechen. Natürlich sollte man nicht einfach plötzlich aufspringen und gehen. Ebenso wenig ist es aber angebracht, dem anderen Hoffnungen zu machen. Was also tun? Was ist der „perfekte Rückzug“?