Die Feinde des Radfahrers

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

Fahrrad2Ich bin ein Raser. Wenn ich Fahrrad fahre, dann trete ich in die Pedale, als sei der Teufel persönlich hinter mir her. Dabei fühle ich mich wie eine knallharte Agentin auf einer geheimen Mission. Mein Auftrag lautet: Komme so schnell wie möglich von A nach B. Lasse dich von nichts und niemandem ablenken. Wer sich dir in den Weg stellt, ist dein Feind. Und davon gibt es viele.

 

Neben den Rasern gibt es andere Subgruppen der Fahrradfahrer. Diese haben die schlechte Angewohnheit, dauernd im Weg rum zu stehen, wenn ich es eilig habe. Und ich habe es immer eilig.

 

Da ist zum einen die Oma. Sie fährt nicht nur im Schneckentempo, sondern auch mitten auf dem Fahrradweg. Gelegenheiten zum Überholen gibt es nicht. Auch die Fahrradklingel hilft nicht weiter. Denn Oma leidet unter Hörschwäche und fährt stur mittig weiter. Und ich dackel hinterher.

 

Da gibt es die Studenten, die immerhin ein Fünftel der Münsteraner ausmachen. Verliebtes Geknutschte ist eines ihrer großen Hobbies. Das persönliche Glück sei jedem gegönnt. Warum Mann und Frau jedoch zunächst einmal Händchen haltend Rad fahren müssen, ist rätselhaft. Dass ER sich an jeder möglichen und unmöglichen Stelle zu IHR herunterbeugt, um SIE zu küssen - natürlich mitten auf dem Fahrradweg – einfach unverständlich. Wütende Fluche und Klingelattacken anderer Radler ignorieren sie eiskalt. Und ich radle immer mit dem Daumen an der Klingel.

 

Ein nervenaufreibendes Phänomen stellt die Familie dar: Die Kids fahren Schlangenlinien, während sie sich alle paar Sekunden zu ihren Eltern umdrehen. Unterdessen ermahnt die Mutter ihre Schützlinge mit sorgenvoller Stimme, sie sollen doch ja vorsichtig sein und an der nächsten Ampel warten. Das Kind radelt also los, bremst ab und stellt sich dann mit seinem Fahrrad quer auf den Fahrradweg, um zu schauen, wo seine Mutter bleibt. Und ich schreie schon von weitem, dass sie ihre Gören einsammeln soll.

 

Der schlimmste Feind ist der Polizist. Ob am Tag oder bei Nacht – der flotte Radler ist nirgends vor ihm sicher. Wer ohne Licht, auf der falschen Straßenseite, auf dem Gepäckträger, telefonierend oder essend durch die Gegend radelt, dessen Geldbörse ist bald ein ganzes Stückchen leichter. Und ich wurde um 15 Euro ärmer - wegen unerlaubten Fahrens in einer Einbahnstraße.

 

Darum habe ich jüngst beschlossen, auf den Bus umzusteigen.

9:41 Uhr. Fünfzehn Minuten zu spät erscheint die Nummer 2. Es geht im Schneckentempo vorwärts. Obwohl ich überpünktlich das Haus verlassen habe, bin ich wieder einmal spät dran. Ich trommle mit den Fingernägeln gegen die dreckige Fensterscheibe. Ich hasse es zu warten. Ob ich den Busfahrer mit einem spitzen Bleistift bestechen kann? Ich könnte ihn zwingen, mich ans Steuer zu lassen.

Nächste Haltestelle: Hauptbahnhof. Ich steige aus. Mein Anschlussbus ist weg. Und beim nächsten Mal nehme ich wieder die gute alte Leeze.

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