Die Macht der Sexualität in den Kulturen

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

Interkulturelle Ehen und Partnerschaften sind im Zeitalter der Globalisierung keine Seltenheit mehr. Dank dem World Wide Web ist unsere Welt auf ein „globales Dorf“ zusammengeschrumpft, wie der Medientheoretiker Marshall McLuhan einst treffend formulierte. Facebook, Skype und Billig-Airlines machen’s möglich.


Interkulturelle Partnerschaften sind dabei oft eine intellektuelle und emotionale Herausforderung. Die manchmal sehr unterschiedlichen Weltbilder erschweren die Kommunikation und führen zu Konflikten.


Ein besonders heikles Thema stellt die Sexualität dar. Das liegt daran, weil verschiedene Kulturen der Sexualität eine unterschiedlich große Macht zuschreiben, womit unterschiedliche Normen, Werte u.a. gemeint sind.

So nahm man früher in den Ländern Lateinamerikas an, dass ein Mann seine sexuelle Begierde unmöglich in Zaum halten könnte, falls er mit einer Frau alleine im Raum wäre. Und weiter: Der Frau erginge es nicht anders, wenn sie mit einem Mann alleine wäre. Der Sexualtrieb beider Geschlechter wäre einfach zu mächtig, als dass Frau oder Mann ihm hätten widerstehen können. Und so mussten sie zwangsweise, sobald sich ihnen die Gelegenheit dazu bot, wie Tiere übereinander herfallen.

Ähnliche Vorstellungen werden heute immer noch in manchen islamischen Ländern vertreten. Auch dort ist man der allgemeinen Überzeugung, dass ein Mann und eine Frau, die nicht miteinander verwandt sind, Geschlechtsverkehr haben werden, wenn sich ihnen die Möglichkeit bietet. Um das zu verhindern, gibt es die Geschlechtertrennung: Indem Jungen und Mädchen getrennt voneinander am Sportunterricht in der Schule teilnehmen, Frauen ein separater Raum in der Moschee zugewiesen wird und Frauen-Shopping-Malls eröffnet werden, soll verhindert werden, dass der Sexualtrieb des Menschen die Überhand gewinnt. Natürlich ist das nicht in allen islamischen Ländern so. Die krasseste Ausprägung findet die Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien, woher auch das Beispiel mit der Shopping-Mall rührt.


Geschlechtertrennung also als Schutz vor dem eigenen Sexualtrieb? Für uns westlich-moderne Menschen mag das wie ein schlechter Witz unseres Lieblings-Comedians klingen. In der interkulturellen Beziehung jedoch wird aus Spaß schnell Ernst. Gerade für Männer aus islamischen oder lateinamerikanischen Ländern ist es aufgrund ihrer kulturellen Ideologie über die Macht der Sexualität geradezu undenkbar, dass ihre westliche Partnerin oder Ehefrau mit einem anderen Mann alleine ist. Die jedoch sieht sich durch die rasende Eifersucht ihres Partners in die Enge getrieben und in ihrer Freiheit als eigenständiges Individuum angegriffen. Ignoriert sie die kulturellen Vorstellungen ihres Partners und gerät trotzdem – bewusst oder unbewusst – in eine Situation, in der sie mit einem anderen Mann alleine ist, so steht das Vertrauen der Beziehung auf dem Spiel. Und dabei ist es einerlei, ob es sich bei diesem anderen Mann um einen Unbekannten, den besten Freund oder den Freund einer Freundin handelt. Um es auf die Spitze zu treiben: Das bedeutet, dass jeder Mann, der nicht mit der Partnerin oder Ehefrau verwandt ist, in den Augen des lateinamerikanischen oder islamischen Mannes ein potentieller Sexualpartner seiner Partnerin ist, der nur darauf wartet, mit ihr allein zu sein. Und sie? Sie wird sich – allen Liebesbeteuerungen zum Trotz – dem anderen Mann widerspruchslos hingeben.

 

Völliger Quatsch, sagen Sie? Erzählen Sie das mal den interkulturellen Paaren, deren Beziehungen aus genau diesem Grund immer wieder erschüttert worden oder gar zu Bruch gegangen sind.  

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