Fuck it!
So lautet der Titel des Buches, mit dem ich lernen möchte, mein inneres Yin und Yan zu finden. Es geht um loslassen können, entspannen, glücklich sein. Genau das, was ich gerade brauche. Vier weitere Bücher mit Titeln, die weit weniger drastisch formuliert sind, aber im Großen und Ganzen die gleichen Themen behandeln, komplementieren meine Auswahl.
Es ist das erste Mal, dass ich mich in der Stadtbücherei in die Sektion mit den „Selbsthilfe-Büchern“ traue. Allein wie sich das schon anhört: Selbsthilfe! Da kriegt man gleich das Gefühl, etwas stimme mit einem nicht. Man sei „irgendwie anders“, ein wenig „Psycho“. Ich schaue mich zu allen Seiten um. Keiner da. Mit einer schwungvollen Handbewegung landen die Schmöker in meinem Bücherkorb. An der Ausleihstelle ist es mir fast ein wenig peinlich, als die Dame ein Buch nach dem anderen mit einer ruhigen Handbewegung abscannt und in ihrem Computer unter „ausgeliehen“ verbucht. Na los, mach schon! Nervös schaue ich mich um und stopfe so schnell wie möglich ein Buch nach dem anderen in meine Suche-netten-reichen-und-spendierfreudigen-Mann-Tasche. Was die wohl denkt? Wahrscheinlich sowas wie: Was kann DIE denn schon groß für Probleme haben? In DEM jungen Alter? Ja, Madam, auch junge Frauen haben schon ihre kleinen und großen Wehwehchen. Und jetzt nichts wie raus.
Draußen atme ich einmal tief durch. Geschafft. Der erste Schritt raus aus der Unzufriedenheit und zu mehr Glück im Leben ist getan. Zu Hause zünde ich mir erst mal zwei vom Adventskranz übrig gebliebene Kerzen an und koche eine große Kanne Sanddorn-Tee. Ach, ich fühle mich schon viel glücklicher! Wie schnell diese Selbsthilfe-Bücher wirken, einfach der Wahnsinn. Als nächstes kommt das Sofa dran: Das macht eine 90° Grad-Drehung und steht jetzt direkt neben dem Nachtschränkchen. Der Schaukelstuhl kommt in die Ecke und weil das Zimmer sonst so klein wirkt, ziehe ich das kleine Tischchen, das eigentlich immer vor dem Sofa steht, einfach an die Wand. So, fertig. Ach, das ist doch gleich ein ganz anderes Gefühl. Ich lasse mich zufrieden aufs Sofa sinken. Und die Sicht – alles ist so anders, so neu, so erfrischend. Ich blicke direkt auf den drei Meter entfernten Holzschrank aus Kinderzeiten. Der ist längst zu klein für all meine Klamotten, aber was soll man machen? Ich seufze. Zwischen Schrank und Bücherregal hängt mein großer Spiegel. Vom Sofa aus kann ich mich im Spiegel anschauen. Also, wenn ich mir das so angucke: So schwierig kann die Suche nach dem Ich gar nicht sein! Oder?