Ich, das Ekel

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

http://us.cdn2.123rf.com/168nwm/albertzig/albertzig1303/albertzig130300019/18722884-3d-cartoon-green-monster.jpgWenn mir ein Mann gefällt und dieser mein Interesse erwidert, dann werde ich zu einem richtigen Ekel. Es ist, als ob ich auf Teufel komm‘ raus sicher stellen möchte, dass aus uns nichts wird.

 

In seiner Gegenwart benehme ich mich schnippisch, zicke herum und mache mich über ihn lustig. Meine Worte triefen förmlich von Zynismus und sind einfach widerlich. Ich zögere nicht, all meine Macken und Mängel direkt auf einem Silbertablett zu präsentieren, ganz so, als wolle ich sagen: „Hey Mann, was willst du in der Abteilung für Montagsproduktionen? Zu den Prachtexemplaren von Frau geht’s da lang!“ Gleichzeitig tue ich ungemein überheblich, verfahre frei nach dem Motto „Einbildung ist auch ‘ne Bildung“ und lege eine verdammt anstrengende Art an den Tag. Kurzum: Ich zeige mich von meiner schlimmsten Seite. Und verabscheue mich dafür.

 

Warum bin ich so? Warum fällt es mir nur so schwer einem Mann gegenüber nett zu sein, der mein Interesse erwidert? Dabei bin ich doch eigentlich ganz anders: nämlich liebevoll, sanftmütig und zärtlich.

 

Ist das, was ich an mir selbst beobachte, bereits erstes Anzeichen einer sich schleichend entwickelnden Bindungsangst? Wünsche ich mir deshalb jedes Mal Abstand, wenn eine Beziehung zu einem Menschen intensiv wird? Suche ich mir deshalb Partner aus, mit denen keine lange Beziehung möglich oder zu erwarten ist oder gehe erst gar kein engeres Verhältnis ein, mit der Begründung,  dass ich einfach keinen Mann finde, der meinen Erwartungen entspricht? Meine bislang vergeblich verlaufende Suche nach Mr. Perfect spricht jedenfalls dafür. Der typische Bindungsphobiker schätzt zudem seinen persönlichen Freiraum über alles in der Welt, legt sich ungerne fest und versucht immer, sich ein Gefühl von Unabhängigkeit zu wahren. Auch das trifft auf mich zu. Indem ich Diskussionen und Reibungspunkte hervorrufe, unterbreche ich immer wieder die gerade aufkeimende Nähe und halte eine sichere Distanz aufrecht.

 

Ist der Grund für mein widersprüchliches Verhalten also meine Angst vor Nähe? Schlimmer noch: Leide ich unter regelrechter Bindungsangst? Oder kann man das Ganze als „einfache Bindungsunwilligkeit“ abtun?

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