Nichts hält für die Ewigkeit

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

http://us.cdn3.123rf.com/168nwm/eric1513/eric15131302/eric1513130200079/18149217-gebaude-zusammenbricht-oder-sich-mit-schutt-herunterfallen-abgerissen.jpgEgal, ob die Liebe zum (potentiellen) Partner, unter sehr guten Freunden oder zwischen Kind und Eltern – jede Form der Liebe macht verwundbar.

 

Denn zu lieben heißt zu vertrauen: Wir trauen dem anderen, wir vertrauen ihm unsere tiefsten Geheimnisse an, ja, wir gehen sogar soweit und geben ihm etwas von uns selbst, vom Kostbarsten, was wir besitzen: Wir geben ihm etwas von unserem Leben! Was nicht bedeuten soll, dass wir unser Leben für den anderen opfern, sondern dass wir ihm etwas von dem geben, was in uns lebendig ist: Wir geben dem anderen etwas von unserer Freude, von unserem Humor, von unserer Traurigkeit, von unseren Interessen, von unseren Ängsten, von unserem Wissen, von unserem Verständnis – von all dem, was uns ausmacht.  


Und je mehr Vertrauen wir dem anderen schenken, desto angreifbarer machen wir uns. Denn mit jedem Wort, das wir austauschen, mit jedem Gedankenfetzen, den wir teilen, geben wir mehr von uns selbst Preis, reißen wir die einst uneinnehmbare Mauer, die uns vor der Außenwelt schützen soll, Stück für Stück ein. Wir hoffen darauf, dass wir uns in dem anderen nicht geirrt haben, dass der andere unser Vertrauen nicht missbrauchen wird. Nach und nach bauen wir eine emotionale Bindung auf, begeben uns in eine freiwillige Abhängigkeit zum anderen. Und je mehr wir von uns erzählen, je mehr Zeit wir mit dem anderen verbringen, desto inniger wird diese emotionale Bindung. Und desto angreifbarer werden wir.

 

Was uns früher nicht im Mindesten interessiert hat, trifft uns jetzt, da wir diese eine Person so lieb gewonnen haben, umso härter. Ein falsches Wort, ein falscher Satz, kann einen emotionalen Vulkan in uns ausbrechen lassen und das Vertrauensgerüst, das wir mühsam gemeinsam aufgebaut haben, zum Einsturz bringen. Wie ein Kartenhaus stürzt es in sich zusammen. Denn nichts hält für die Ewigkeit.

 

Wenn aber dieses Gerüst so labil ist, das ohnmächtige Gefühl der Enttäuschung jedes Mal aufs Neue diesen schrecklichen bitteren Geschmack auf unserer Zunge hinterlässt – warum lassen wir uns immer wieder darauf ein? Eine Risikoanalyse würde zeigen: Lieben lohnt sich nicht! Emotionale Bindungen, ob sinnlich oder rein freundschaftlich – sie tun weh! Und trotzdem tun wir es immer wieder: setzen Massen von Energie, Zeit und Hoffnungen in eine Partnerschaft oder Freundschaft – nur um ein weiteres Mal auf die Fresse zu fliegen, Tränen und Blut zu vergießen und den festen Entschluss zu fassen: Nie wieder! Vertraue niemanden, halte Abstand, glaube ihm nicht, wenn er dir verspricht, er wird dich auffangen! Denn Versprechen sind da, um gebrochen zu werden. Und wenn du fällst, dann fällst du tief.

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