„Mehr“ als nur wildes Abenteuer

Veröffentlicht auf von das-gestiefelte-maedchen

P1020248.JPGAls ich am Wochenende mit dem Zug unterwegs war, habe ich einen jungen Vater und seinen Sohn beim Spielen beobachtet. Auf allen Vieren und mit wildem Löwengebrüll ist der Kleine durch den Zug getobt, hinter ihm der Vater, der ihn mit enthusiastischen Rufen anfeuerte. Irgendwann hat er den kleinen blonden Jungen hochgehoben und auf seine Schulter gesetzt. Die beiden haben gelacht und es war einfach unmöglich zu sagen, wer mehr Spaß hatte: Der Vater oder der Sohn.

 

In diesem Augenblick ist mir klar geworden, dass ein Mann heute mehr sein muss als „aufregend“, um mein Interesse zu gewinnen. Ich will kein „wildes Abenteuer“ mehr, kein „Katz-und-Maus-Spiel“. Ich suche einen Mann mit anderen Qualitäten. Einer, mit einem festen Job. Einer, der eine Familie ernähren kann. Einer, der später einmal ein liebevoller Vater sein wird.

 

Natürlich möchte ich jetzt noch keine Familie. Dafür bin ich zu jung. Aber ich habe keine Lust mehr auf das ganze Hin und Her. Ich möchte nicht von einer Beziehung in die nächste stolpern, nur um im Alter von 35 Jahren mit Schrecken feststellen zu müssen, dass ich vor lauter Abenteuerlust und Unverbindlichkeiten meinen Prinzen verpasst habe. Ich möchte nicht dem immer lauter werdenden Ticken meiner biologischen Uhr lauschen, um mich später, von Torschusspanik ergriffen, von dem Erstbesten schwängern zu lassen.

 

Viel zu oft landen wir bei den Bad Guys. Sie haben etwas Faszinierendes an sich, keine Frage. Sie scheinen uns Frauen regelrecht magisch anzuziehen: Der stolze, angeberische, grimmige Typ in dunklen Jeans, schwarzer abgewetzter Lederjacke und Sneakers. Der, der sein eigenes Ding macht, kein Verständnis für die Schwächen anderer hat, und sich oft gleichgültig Gefühlen gegenüber gibt. Der Bad Boy glaubt nicht an die Liebe, er sucht das Abenteuer: Unverbindlichen Sex, wilde Affären und ein Leben ohne Verantwortlichkeiten. Dieser Typ Mann ist sexy, attraktiv und oft genug unwiderstehlich. Zumindest für eine Weile.

 

Aber liebe Frauen, seien wir doch mal ehrlich: Die von uns, die sich nach einer dauerhaften Beziehung sehnen, die von einer Familie  in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft träumen – die wünschen sich in Wahrheit einen netten Mann, einen der Good Guys: Rücksichtsvoll, einfühlsam und gefühlvoll. Wir möchten einen Gentleman, der uns die Tür aufhält, uns auf Händen trägt und den neuen Haarschnitt mit einem passenden Kompliment kommentiert. Wir suchen einen guten Zuhörer, der sich tatsächlich für uns interessiert und der auch mal danach fragt, was wir wollen. Wir wünschen uns einen liebevollen und zärtlichen Liebhaber, einen leidenschaftlichen Küsser und besten Freund.

 

Wir begehren den Bad Guy, fühlen uns sexuell von ihm angezogen, und halten das körperliche Begehren für Liebe. Dabei geben wir uns einem Irrtum hin. Sexuelle Begierde bedeutet nicht per se Liebe. Oft ist sie lediglich stimuliert durch die Angst des Alleinseins, durch den Wunsch zu erobern oder sich erobern zu lassen, oder durch Eitelkeit. Reine, ehrliche Liebe wiederum kann zu dem Wunsch führen, sich körperlich zu vereinigen. In diesem Fall ist die körperliche Beziehung ohne Gier, sie ist vielmehr voll Zärtlichkeit. Sie ist ein Akt des Willens. Sie ist der Entschluss, das eigene Leben völlig an das eines anderen Menschen zu binden.

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