Wo hört Freundschaft auf und fängt Liebe an?
Bei meinen Recherchen zu diesem Thema bin ich immer wieder auf die Faktoren körperliche Anziehung und Sexualität gestoßen. Die meisten Menschen ziehen an dieser Stelle eine Grenze. Ergo: Wer sich zu einem sehr guten Freund sexuell hingezogen fühlt, der beginnt zu lieben. Oder genauer: sich zu verlieben. Denn bis zur echten Liebe ist es noch ein großer Schritt.
Meiner Meinung nach aber darf man den Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe nicht auf die sexuelle Komponente reduzieren. Liebe ist auch ohne Sex möglich - auch wenn in den allermeisten Liebesbeziehungen der Austausch von körperlichen Intimitäten dazu gehört. Ebenso gilt andersherum: Freundschaft schließt Sex nicht generell aus. In einer ehrlichen, tiefen Freundschaftsbeziehung ist Sexualität auch ohne Liebe möglich. Solch eine Beziehung unterscheidet sich in der Hinsicht von einer Liebesbeziehung, dass man selbst nicht vom anderen emotional abhängig ist. Man begegnet dem Partner vielmehr aus einer seelisch stabilen Lage heraus.
Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft.
Liebe ist sehr tiefe Zuneigung. Tiefer, intensiver und nachhaltiger, als es in einer Freundschaft möglich ist. Diese tiefe Verbundenheit zeigt sich in der emotionalen Abhängigkeit vom anderen. Was der Partner tut, sagt oder auch nicht sagt, wirkt sich gravierend auf die eigene emotionale Befindlichkeit aus. Das kann gut oder schlecht sein. Ein Lächeln, ein Kompliment, eine Umarmung kann dich wahnsinnig glücklich machen. Ein falsches Wort dagegen reißt dich völlig unerwartet von den Füßen und in einen schwarzen Abgrund.
Die Schwierigkeit besteht darin, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden. Leider glückt dies zumeist erst dann, wenn es bereits zu spät ist.