Der erste Kuss
Der erste Kuss ist wesentlich und entscheidet über den Beginn einer Beziehung oder den Anfang des Endes. Im Moment des ersten Kusses zeigt sich, ob der potentielle Partner für „mehr“ als einen Drink, ein geheimnisvolles Lächeln und ein anregendes Gespräch taugt. Wie wahnsinnig enttäuschend kann der erste Kuss doch sein, wenn der, in den man sich verlieben will, küsst wie ein Anfänger und man sofort weiß, dass er das Küssen auch niemals lernen wird. Und wie groß ist erst die Erleichterung, wenn das verdammte Küssen funktioniert.
Du vergisst nie, wenn es einer dieser Küsse ist, die du bis in die Fußspitzen fühlst, die deinen ganzen Körper in Ausnahmezustand versetzen und einen Schwarm liebestoller Schmetterlinge durch deinen Bauch jagen. Diese Küsse, die deine Sicherungen einfach rausfliegen lassen, sodass du abhebst und Raum und Zeit um dich herum vergisst. Wenn dein gesamter Körper von einem wohlig warmen Gefühl gepackt wird und dir schwindelig wird, weil du vergisst zu atmen. Dieser eine perfekte Kuss, der noch Tage später auf deinen Lippen brennt.
Was meine ersten Küsse angeht, so waren zu viele grausig, die meisten Standard und die allerwenigsten herausragend. Insgesamt ein niederschmetternder Befund. Ich frage mich, warum Küssen nicht in der Schule gelehrt wird. Das wäre doch eine echte Errungenschaft – für die Menschheit, und vor allem für uns Frauen! Schließlich hat die Schule die Aufgabe, uns auf das spätere Leben in Beruf und Gesellschaft vorzubereiten. Warum neben Lesen, Schreiben und Rechnen nicht auch die Kunst des Küssens vermitteln? Schließlich ist Küssen essentieller Bestandteil unseres erwachsenen Lebens. Zumindest für die Frau. So haben US-Forscher in einer Studie nachgewiesen, dass Frauen sogar mehr Wert auf Küssen als auf Sex legen. Dagegen würden Männer, wenn sie vor die Wahl gestellt wären, eher auf Küssen verzichten. Mehr noch: Männer küssen in erster Linie, um eine Frau ins Bett zu kriegen und bleiben auch bei schlechten Küsserinnen am Ball. Für Frauen dagegen steht fest: Sie würden sich niemals mit einem Mann einlassen, der schlecht küsst.
Wenn jeder Mann nun also in der Schule zum perfekten Küsser ausgebildet würde, dann könnten wir Frauen uns all die grausigen ersten Küsse ersparen:
Nie wieder Kermit den Frosch küssen, in der bangen Hoffnung, dass aus ihm der lang ersehnte Prinz wird! Nie wieder der Waschmaschinen-Küsser, der seine Zunge in deinen Mund schiebt und sie wie verrückt immer nur im Kreis dreht. Der absolute Höhepunkt für diesen Küsser-Typen: Der Schleudergang. Nie wieder einen toten Fisch küssen, wo der Kerl seine Zunge völlig regungslos in deinem Mund liegen lässt und keinerlei Ambitionen zeigt, das zu ändern. Nie wieder ein Saugnapf-Kuss, bei dem deine Lippen und deine Zunge mit einem wohlklingenden „Plopp“ aufgesaugt werden und du dich fragst, wie du je wieder sprechen sollst. Nie wieder den Schlabberer, bei dem du dir nach jedem Kuss ein Handtuch wünschst oder wenigstens eine Serviette, weil seine Zunge überall ist, nur eben nicht im Mund. Nie wieder Blessuren vom Küssen davontragen, weil dein Kusspartner kräftiges Zubeißen statt zaghaftem Lippenknabbern für die Leidenschaft schlechthin hält. Und auch nie wieder ein Chamäleon küssen, dessen lange, spitze Zunge im Sekundenbruchteil wie ein Gummiband vorschnellt und bei dem du dich hinterher mit schmerzenden Mandeln fragst, ob du eine Fliege auf dem Zäpfchen hattest.
Nie wieder schlecht küssen – gibt es einen schöneren Traum?