Es gibt Tage im Leben,…
da wünscht man sich, sie so schnell wie möglich aus dem eigenen Leben radieren zu können. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert sei. Es gab keinen Todesfall in der Familie. Und auch hat frau sich nicht vor dem Schwarm bis auf die Haut blamiert. Nein, diese Tage möchte man einfach aus dem Leben streichen, weil sie so furchtbar nutzlos sind. Ich spreche von den Tagen, an denen man nichts, aber wirklich gar nichts macht. Diese Tage, die schon verkehrt beginnen. Wenn man nach nur vier Stunden Schlaf aufwacht und nicht zurück in die schöne Welt der Träume findet, weil der Regen laut gegen das Fenster prasselt und die Nachbars-Töle den hinter schweren Regenwolken versteckten Sonnenaufgang ankläfft. Diese Tage, an denen man sich irgendwann vollkommen gerädert um 7 Uhr aus dem Bett schleppt, um einfach mal etwas anderes zu tun als „nur so rumzuliegen“. Wenn man trotz drei großen Tassen schwarzen Kaffees einfach nicht wach wird. Und an denen man sich, direkt nach dem Aufstehen seinen Laptop krallt, nur um wieder zurück ins Bett zu kriechen. Die Tage, an denen man noch am Morgen so viele Pläne schmiedet, wie man den schlecht begonnenen Tag doch noch aufpuschen kann – nur, um dann zuzusehen, wie all die tollen Ideen die Toilette herunter gespült werden, um irgendwo in den stinkenden Winkeln der Kanalisation auf immer und ewig zu verschwinden.
Heute war so ein Tag. Trotz Schlafmangels bin ich guten Willens heute Morgen aufgestanden, habe mich geschminkt und mir statt der Jogginghose – die für die offiziellen Gammeltage deklariert ist – eine Jeans angezogen. Doch damit war es mit meinen Vorsätzen auch dahin. Statt an meiner Zukunft zu feilen, lag ich im Bett, surfte im Internet, kontrollierte alle zwei Minuten meine E-Mails und schaute mir Miss Undercover an. Manchmal lag ich auch einfach nur so da und tat nichts. Der Dauerregen passte wunderbar zu meiner Stimmung. Währenddessen verschwanden neben den üblichen drei Mahlzeiten ein Schoko-Vanille-Pudding und eine XXL-Packung Schokoriegel in meinem Bauch. (Jaa, die Schoko-Sucht hat mich wieder.)
Und jetzt? Jetzt fühle ich mich hundeelend. Nicht nur, weil mir von der ganzen Schokolade schlecht ist. Viel schlimmer ist dieses erniedrigende Gefühl, nichts geschafft zu haben. Doch warum ist das so? Warum gibt es Menschen, die Tage, an denen man „einfach mal nichts tut“ als verloren ansehen? Und andere, die diese Tage genießen, ja in diesem Zusammenhang von Entspannung reden?
Entspannung stellt sich nicht einfach automatisch ein, wenn man mal ein bisschen zurückschaltet. Wer nicht loslassen kann, der kann auch nicht entspannen. Und wer Sorgen hat, kann nicht loslassen. Um entspannen zu können, muss es also zunächst einmal gelingen, Unruhe, Stress und Angst abzubauen. Und das geschieht nur durch Übung. Um den Strom der alltäglichen Gedanken zu unterbrechen, braucht es eine Entspannungstechnik, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich aussieht. Zunächst einmal müssen wir uns fragen, wovon wir uns überhaupt erholen wollen. Laugt uns der Stress im Beruf oder im Alltag aus? Oder sind es Langeweile und Monotonie, die uns belasten? Was frustriert mich derzeit? Manchmal können schon Abwechslung und eine anregende Tätigkeit für die nötige Entspannung sorgen. Meistens aber brauchen Körper und Seele einfach eine Auszeit. Manche finden diese Ruhe in Yoga, progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training. Letzteres habe ich einmal als Jugendliche in einem Kurs ausprobiert. Allerdings ging die Geschichte nach hinten los. Mein Sonnengeflecht habe ich nicht gefunden. Dafür habe ich gelernt, dass mich auf CD abgespieltes Vogelgezwitscher aggressiv macht und ich eintönige Stimmen, die mir sagen, dass meine Arme und Beine ganz schwer werden, nicht leiden kann.