Kampf den Staubkörnern!
Ordnung ist das halbe Leben. Stimmt. Aber alles in Maßen.
Meine Eltern sind – was Ordnung und Sauberkeit angeht – ganz die kleinlichen Deutschen. So besteht mein Vater darauf, dass mindestens einmal wöchentlich alles geputzt wird. Alles, das sind 14 Räume, 4 Flure und 2 lange Treppenhäuser. Keller und Dachboden bleiben vom Putzwahn verschont.
Jede Woche schwenken meine Eltern also Staubtücher, Wischmob und Eimer – und dann geht es den feinen Staubkörnern, die sich tapfer an Stühlen, Fensterbänken, auf Regalbrettern, Bilderrahmen und Bettkanten, Lampenschirmen und Radiorekordern festkrallen, an den Kragen. Es wird Staub gesaugt, geputzt, gewischt und gewienert was das Zeug hält. Vor meinen Eltern ist nicht einmal das kleinste und unschuldigste Staubkorn sicher. Zitternd wartet es darauf, dass seinem kurzen einwöchigen Leben der Gar ausgemacht wieder.
Ich nehme das mit dem ganzen Putzen und (Ent-)Stauben und Saugen ja nicht so ernst. Stimmt schon, Ordnung muss sein. Auch ich will nicht in einem Saustall leben. Aber wo bleibt denn der Spaß beim Putzen, wenn man nach dem ganzen Gewiener und Gewische keinen Unterschied erkennt? Deswegen lasse ich mir mit dem Putzen mehr Zeit. Nach drei Wochen sammelt sich da schon eine Menge Staub an. Es hat mich einen halben Tag gekostet mein Zimmer von den hartnäckigen Staubkörnern zu befreien. Aber immerhin habe ich den Erfolg meiner Arbeit danach bewundern können.
Heute hat mich meine Mutter um Mithilfe beim Putzen gebeten. Als ich sie fragte, was ich denn genau putzen solle, da doch schon alles blitzeblank sei, sah sie mich mit großen Augen an, nahm ein Staubtuch in die Hand und wischte demonstrativ über die einzelnen Holzstangen an der Lehne des Küchenstuhls. Schließlich hob sie dann noch das Sitzkissen hoch und putzte über die blanke Sitzfläche. „Siehste, so macht man das!“ Als ich fragte, wie sich denn unter dem Sitzkissen Staub bilden könne, schüttelte sie nur missbilligend den Kopf. Also, mal ehrlich!