Können Männer und Frauen „nur“ befreundet sein?
Obwohl sich die Lebenswelten von Männern und Frauen stark überschneiden, Geschlechterrollen und Stereotype sich auflösen und Freundespärchen schon seit den 70ern nicht mehr die Ausnahme bilden, haftet ihnen doch etwas Verdächtiges, ja etwas Verruchtes an. Läuft da wirklich nichts? Muss nicht zwangsläufig eine sexuelle Beziehung entstehen, wenn Mann und Frau sich so nahe sind?
Aus evolutionsgeschichtlicher Perspektive ist jede halbwegs gleichaltrige Person des anderen Geschlechts ein potenzieller Fortpflanzungspartner. Kann eine platonische Freundschaft trotzdem möglich sein? Der Alltag zeigt: Ja! Wie lassen sich solche Freundschaften erklären?
Eine ehrliche Freundschaft zwischen Mann und Frau ist möglich, wenn man jeweils einfach nicht der Typ des anderen ist. Hier ist es egal, ob Frau ungeschminkt und mit ungewaschenen Haaren ihren „besten Freund“ besucht. Der „beste Freund“ ist tatsächlich ein bester Freund – und der akzeptiert und liebt seine „beste Freundin“ so wie sie ist.
Natürlich gibt es auch andere Frauen, die eine Freundschaft zu einem Mann aufrechterhalten, weil sie a) eine romantische Vergangenheit mit dem Mann teilen, oder b) eine sexuelle Vorgeschichte mit dem Mann verbindet, oder c) zwar behaupten, sie seien nur auf Freundschaft aus, in Wahrheit aber den Mann von ihren eigenen Qualitäten überzeugen wollen und ihn früher oder später flach legen oder gar erobern möchten.
Und der Mann? Der lehnt die Freundschaft als Alternative zu einer Komplettabfuhr von seiner Traumfrau nicht ab. Schließlich bleibt immer noch die Perspektive in ihrer Nähe zu sein. Und wer weiß: Irgendwann wird Frau schon einsehen, dass ihr „bester Freund“ eigentlich ihr absoluter Traummann ist und dass sie füreinander bestimmt sind. Der Mann übt sich also in Geduld, macht der „besten Freundin“ immer wieder unterschwellige, aber natürlich nie ernst gemeinte Avancen, ist höflich und nett.
Und wie verhält es sich, wenn die „beste Freundin“ plötzlich einen festen Freund hat, der ihre Zeit beansprucht? Da reagieren die „besten Freunde“ mit rasender Eifersucht, fühlen sich innerlich zutiefst gedemütigt – und feiern das Aus der Beziehung und die Rückeroberung der „besten Freundin“ mit Silvesterknallern und Raketen.
Der Mann mag sich dem Anschein nach mit der Freundschaft zu einer Frau zufrieden geben. Aber in Wirklichkeit will er viel mehr.