Was ist Liebe?
Liebe ist etwas Wunderschönes. Sie ist eine Beziehung, die uns in eine andere Welt versetzt. Sie ist etwas Zauberhaftes, Märchenhaftes, Verträumtes. Plötzlich sehen wir rosarot. Was wir auch machen, es fällt uns leicht, alles fliegt uns zu, wir wandern mit einem ständigen Dauergrinsen durch das Leben und würden am liebsten die ganze Welt umarmen – selbst den griesgrämigen Nachbar mit dem stinkenden Köter, der uns jeden Tag in den Vorgarten scheißt. Wir brauchen nicht zu romantischen Orten zu fahren, um in romantischen Gefühlen zu schwelgen. Diese romantische Liebe gibt es, keine Frage. Doch ist sie die Ausnahme oder die Regel?
Ich habe aus meiner letzten Liebesbeziehung das Fazit gezogen, das Liebe viel mehr ist. Da sind Schmetterlinge im Bauch, ein Kribbeln in den Beinen, ein Zittern der Hände. Aber eben auch Heulkrämpfe, Zweifel, Bauchschmerzen.
Irgendwann ist es vorbei mit der Unbeschwertheit. Du kommst auf den Boden der Tatsachen zurück, wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hat. Am Boden angekommen, wartet Streit. Und Schweigen. Viel zu sagen gibt es nicht mehr. Du bist dir fast sicher, dass es das Beste wäre, dem Ganzen den Todesstoß zu versetzen. Wenn da nicht diese kleinen Momente wären… ja, diese kleinen Momente, wo es fast so ist wie früher: Wo er dir sagt, wie hübsch du aussiehst und du rasch den Blick senkst, um deine Schuhspitzen eingehend zu betrachten, in der Hoffnung, dass er nicht gemerkt hat, wie du errötest. Diese Momente, wo man sich die absurdesten Kleinigkeiten erzählt, sich gegenseitig schmeichelt, gemeinsam lacht. Will man das alles wirklich aufgeben? Wegen eines dummen Streits? Wegen einem Schweigen, das schon zu lange andauert?
Und dann kommt sie wieder. Die Zeit der Zweifel. Diese Zeit ist von Wut geprägt, von Angst und einer Unsicherheit, die dir den Verstand raubt. Vielleicht ist das nur in einer Fernbeziehung so, doch ich glaube, dass sich auch jemand in einer „normalen“ Beziehung diese Fragen eines Tages stellt: Wo ist er? Was macht er gerade? Warum meldet er sich nicht? Hat er eine andere? Interessiert er sich überhaupt noch für mich?
Dein Innerstes ist das reinste Chaos. Du bist ein emotionales Wrack. Ein winziger Kommentar, ein falsches Lächeln, reichen schon aus, um dich zum Heulen zu bringen – oder zur wilden Furie werden zu lassen. Du befindest dich in einem konstanten emotionalen Ausnahmezustand – und ganz nebenbei am Rande des Wahnsinns. In der einen Minute vermisst du ihn so sehr, dass es schmerzt. In der anderen möchtest du ihm am liebsten eine saftige Ohrfeige verpassen und sagst dir selbst, dass er dir doch eigentlich scheißegal ist und dass du ihn gar nicht brauchst. Genau genommen brauchst du niemanden. Single-sein ist doch viel schöner – und vor allem viel entspannter. Und dann fliegt plötzlich ein Schwarm liebestoller Schmetterlinge durch deinen Bauch und bringt dein Innerstes – und deinen festen Entschluss, dem Beziehungsstatus zum Abschied die Hand zu schütteln – kräftig ins Wanken.
Nein, eine Beziehung ist nicht nur Glücklichsein. Sie ist die reinste Gefühlsachterbahn. Die meiste Zeit verbringt man damit, über den Partner nachzudenken.
Und das Single-Dasein? Das ist leider auch nicht viel besser. Entweder beschäftigt man sich gedanklich mit dem Ex, mit einem anderen Pärchen oder mit der eigenen aussichtslosen sexuellen Zukunft.
Die Gedanken schwirren jedoch immer um das Eine: das männliche Geschlecht.